REFLECTION & DISTRACTON

von 02.06.2006 bis 27.07.2006

Witek Anita, 360°
 

Anita Witek geht in ihren Fotografien der Frage nach, wie ein Exhibitionismus gelagert ist, der ein weltweites Publikum einlädt, den ganzen Tag über dabei zu sein, bei unbeholfenen Turnübungen, die vor Fettleibigkeit schützen sollen, beim Schlafen und Frühstücken, beim Denken und Duschen. Ist Gabgabs Verhalten unter der ständigen Beobachtung defensiver geworden? Erlaubt sie sich noch in der Nase zu bohren? Ich habe sie noch nie dabei erwischt. Das Eindringen in fremde Wohnungen, das Umsehen in privaten Räumen, das Zappen von Wohnung zu Wohnung, die Sicherheit der VoyeurInnen, die Ungewissheit der Beobachteten und die Spuren die die Menschen in ihnen hinterlassen sind Links die Anita Witek aktiviert. Blicke durch schmale Schlitze breiten Räume auf einer Fläche vor uns aus. Die Räume dominieren die wenigen Körperfragmente und reduzieren sie zu Spuren. Die nachdrückliche Ausschnitthaftigkeit erinnert an die Stills, die Webcams in regelmässigen Abständen von ihren vorbeilaufenden BetreiberInnen aufnehmen und aufs immer neue ins Netz stellen. (Aus: Ruth Horak in Publicdomain, 3rd Austrian Triennal on Photography, S.262)

Judith Huemer war eingeladen, für das Benediktinerstift Admont eine Arbeit zu gestalten, es entstand die Serie „overall“. Die Körper der Akteure modellieren hier nicht mehr oder weniger eng anliegende Stoffe, sondern sie verschwinden in ihnen, oder genauer: Sie verschmelzen mit diesen. Die reich fallenden Falten erinnern an gotische Bildschnitzereien und klösterliche Regeln, die durch Entkörperlichung die für Meditation notwendige Verinnerlichung befördern sollten. Dunkelgrau treten aus dem Schwarz des Hintergrundes die Gestalten von Mönchen hervor; vollkommen in ihre Kutten gehüllt, bleibt die Haut ihrer Körper, bleiben Hände und Gesicht verborgen. Weil der suchende Blick solcher Art keine Antwort im Bild hat, findet er sein Ziel in der langsamen und sorgfältigen Betrachtung von Oberflächen, im komplex verworfenen textilen Gewebe ebenso wie in jenen schimmernden und glatten der fotografischen Prints: der Reichtum der kontrastarmen Fotografien offenbart sich in ihren schattenhaften Details. Die Haltungen der Mönche sind nur bedingt in sich geschlossen. Einige verharren in Posen der Versenkung; andere vollziehen ausladende Gesten und geben so den Bildern Räumlichkeit und Tiefe, sowie den skulpturalen Körpern ihr eigentümliches Gewicht: Ohne schwerelos zu sein schweben sie in der Fläche des Bildes, überdecken einander, ohne sich zu berühren, stehen für sich und sind doch nicht voneinander isoliert. Ebenso die Fotos selbst: Sie haben kein oben und kein unten, und weil sie aneinander anschließen, gibt es auch kein eindeutiges, die Lektüre des Bildes regulierendes Zentrum. Dokumentarische Bilder, die auf Handlungen, Perspektiven oder Blickpunkte zentriert und dem vermeintlich illusionistischen Charakter des Mediums verpflichtet sind, gehen über diese Genauigkeit zumeist flüchtig hinweg; Bilder wie die Huemers aber legen in der Präzision der Fotografie wieder Blicke frei. (Text: Friedrich Tietjen)

Markus Schinwalds Arbeiten drehen sich um den Konstruktionscharakter des Körperlichen. „Der Körper ist ein unausgesetzt aktualisierter Ort, an dem das Subjekt zugleich in seiner Identität und seiner Instabilität und Transversalität konstituiert wird. "Dass Subjektivität und Welt sich widerspiegeln und darüber erst begründen, ist also kein Merkmal unserer Epoche. Epochenspezifisch sind die Bedingungen, zu denen das geschieht: die Darstellungslogik, die unseren Blick auf die Objekte bestimmt, und die Gestalt, die wir selbst annehmen, sowie der Wert, den ein inzwischen komplexer organisiertes visuelles Feld diesen Darstellungen beimisst". Die Arbeiten von Markus Schinwald scheinen jedenfalls beständig diese Themenkomplexe rund um den Körper als kulturelles Konstrukt aufzugreifen und aufzuwerfen, zu aktualisieren und vor allem zu kontextualisieren. Von den "Sneakers", "Low Heels" und "Flatfooters" (1998) über "Dictio Pii" (2001) und den "Contortionists" (2003) bis hin zum Film "1st Part Conditional" (2004) zeigt sich die Obsession am Körperlichen als einer Materialität des Individuellen und Psychischen. Dabei handelt es sich um Projekte über Mode, um skulpturale Überarbeitungen von modischen Konsumartikeln, vor allem von Schuhen, einerseits, um filmische Arbeiten andererseits – wobei die Untragbarkeit der Mode beziehungsweise die zum Teil abenteuerlichen Bewegungen der Körper in den Filmen auf eine grundsätzliche Störung zu verweisen scheinen. Diese Störung kennzeichnet die Personen wie die Gegenstände: Zum einen sind es dysfunktionale Versatzstücke der Mode (Schuhe ohne Absätze oder als sich um den Fuß zu schnallender Absatz), die die potenziellen TrägerInnen zu geradezu unmöglichen Haltungen und Bewegungen zwingen, zum anderen sind es die autistischen Rituale der filmischen Protagonisten angesichts eines Anderen, das Unerreichbar scheint, die diese Störung anzeigen.“ (Aus: Reinhard Braun, Markus Schinwald – Bilder als Versuchsanordnungen; in: Camera Austria Nr. 88/2004, S.45)

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