Reisen im Niemandsland

FOTOHOF in der ATTERSEEHALLE

Von 19.07.2014 bis 19.07.2014


Kurt Kaindl - "Niemandsland", Atterseehalle 2014
 

Kurt Kaindl
„Reisen im Niemandsland


Eröffnung am 18. 7. 2014, 19:00 Uhr
Begrüßung: BGM. DI. Walter Kastinger (Gemeinde Attersee)
25 Jahre danach: Botschafter Dr. Martin Eichtinger  (BMEIA)
Zur Eröffnung spricht: Prof. Dr. Martin Hochleitner (Salzburg)

Ausstellungsdauer: 19. 7.  –  24. 8. 2014
Öffnungszeiten: Mo-Fr 17-20 Uhr, Sa, So+ Feiertag 10 -12, 17-20
Ausstellungsführungen mit Kurt Kaindl: jeden Samstag um 11 Uhr


Ausstellungsort:
ATTERSEEHALLE, Kirchenstraße 1, Attersee am Attersee



1989 fiel der Eiserne Vorhang. Heute, 25 Jahre später, hat die nachfolgende Generation kaum mehr eine Vorstellung von der Bedeutung dieser Grenze und vor allem vom großen Einfluss ihres Verschwindens auf die europäische Entwicklung.

Kurt Kaindls Fotoreportage folgt geografisch der innereuropäischen Grenzlinie von Lübeck bis Triest. Er hat dieses Projekt auf Anregung des „Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten“ (BMEIA) 2008 begonnen und bis in die Gegenwart fortgesetzt. Von „beiden Seiten“ – aus dem Osten und dem Westen – nähert er sich der (ehemaligen) Grenze und stellt die besondere Atmosphäre fotografisch dar: Die durch das ausgedehnte Niemandsland entstandene Landschaft, die verbliebenen, aber auch zerstörten Siedlungen und vor allem die Menschen, die immer noch oder jetzt erst wieder an dieser Grenze leben.

Die großformatigen klassischen Schwarzweiss-Fotografien werden durch ausführliche Bildtexte ergänzt, die Hinweise auf die Lebensgeschichten geben und so die Verbindung der Gegenwart mit der Vergangenheit erläutern.
Es gibt Fotos von verwitterten Holzskulpturen auf dem Weg zur berühmten Brücke von Andau an der ungarischen Grenze, die uns in ihrem heute fast zerstörten Zustand eine Ahnung der dramatischen Ereignisse vor 25 Jahren geben. Mut macht das Bild eines Fährmanns, der eine Radfähre über die Mur steuert, die von den beiden anliegenden Gemeinden in Österreich und Slowenien gemeinsam bezahlt wird. Der 1986 durch seine tollkühne Flucht berühmt gewordene Robert Ospald präsentiert auf einem anderen Bild in einem Wiener Caféhaus die selbst gebaute Seilgondel, mit der er über die Starkstromleitungen aus der ehemaligen CSSR nach Österreich geflohen ist. Beim Schriftsteller Martin Leidenfrost ist aus dem Experiment des „Lebens in einer Plattenbausiedlung“ in der Nähe von Bratislava im Auftrag einer Zeitung ein dauerhafter Aufenthalt geworden. Der Alt-Bauer steht heute vor einem Grenzstein des Eisernen Vorhangs, der seinerzeit mitten durch sein Gehöft verlief.

Die Fotografien von Kurt Kaindl sind Bilder der Gegenwart, die durch Ihre Auswahl und Gestaltung auch eine Interpretation der Geschichte sind und in denen immer wieder eine mögliche Zukunft sichtbar wird. Sie verbinden die dokumentarische Kraft der Pressefotografie  mit dem poetischen Zugang des Künstlers.


Kurt Kaindl, geboren 1954 in Gmunden, Studium der Germanistik sowie Publizistik und Kommunikationswissenschaft in Salzburg, wo er heute lebt. Lehraufträge zur Geschichte und Theorie der Fotografie und Mitbegründer der Galerie Fotohof in Salzburg. Zuletzt erschienen die Bildbände Die unbekannten Europäer (2002, erweiterte Neuauflage 2008) und Rand der Mitte (2006). Die Ausstellung Die Unbekannten Europäer wurde 2003 in Salzburg (Salzburger Museum Carolinum Augusteum), 2007/08 in Wien (Volkskundemuseum), 2008 im Ethnografischen Museum in Budapest und 2009 in Bukarest (Muzeul Taranului Roman) sowie an zahlreichen weiteren Orten gezeigt. 2009 erschien der Bildband Reisen im Niemandsland. 2014 werden seine Arbeiten auch in Ausstellungen des Museum der Moderne in Salzburg und der Landesgalerie Linz gezeigt.

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